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Gnadenschuss

Wie eine Nadel sticht es in seine Haut, 
Geräusche die leise war'n sind plötzlich laut. 
Sein Leben lang kühl, ruhig und bedacht 
erwacht nun sein Blut zu bestürzender Macht - 
fließt tosend durch Adern, beschleunigt das Herz, 
zerstört alle Dämme und brennt voller Schmerz. 

Er, immer so friedlich, so ruhig und so zart 
nimmt fest eine Waffe, wird eisern und hart 
stellt sich mitten ins Leben, mit ehernem Fuß 
erhebt seine Hand nun zum tödlichen Gruß 
bricht die Barrieren des Anstands - ein Schuss 
und noch einer, weiter und immer wieder 
mäht er die Massen der Denkenden nieder. 

Gibt seiner Wut, seinem Hass endlich nach - 
hinter der Stirn ein tosender krach - 
es ist das Rauschen, das brennende Blut 
der letzte Aufschrei der ewigen Wut. 

Der Selbsthass, genährt vom Leben, befreit 
er staute sich an doch nun ging es zu weit 
die ewige Beherschung - Kontrolle - gesprengt 
und sich aus den Fesseln der Menschen gezwängt 
zieht er zu dem Kreuze, ein Schlag auf die Welt 
die ihn und die Menschheit zu lange gequält. 

Gleich sieht er Erlösung, beendet die Qual: 
die letzte Kugel gilt ihm: das ist seine Wahl. 
Und während die Menschen, vor Verzweiflung verwirrt, 
sich fragen "was hat denn nun DAZU geführt?" 
kann ich es verstehen, den Schmerz, dieses Ende 
denn in unserer Gesellschaft braucht eine Wende: 

beständig zu passen, sich einzufügen, 
sich mit einem gestellten Leben begnügen, 
Gefühle verstecken, ja nichts zu zeigen 
ist ein ewiger, qualvollen Reigen 
des guten Eindrucks und der Akzeptanz 
so lege ich einen Rosenkranz 
auf das grab des Mörders, und spreche ihn frei 
von aller Schuld denn es riss ihn entzwei 
zu sein was er nicht ist, zu verstecken, verhüllen 
und alles durch den Schleier des Lebens zu fühlen. 

Tief in jedem von uns steckt ein reißendes Tier 
und das muss auch so sein, denn sonst wär'n wir nicht hier; 
und wie jedes Tier, das gefangen und nicht frei: 
brechen erst mal die Schlösser, dann ist es vorbei.

Ich habe dieses Gedicht lange nicht online gestellt, da ich Angst hatte das es falsch verstanden wird. Es ist kein Hilfeschrei. Keine Androhung. Nur der Versuch, darauf aufmerksam zu machen, dass vielleicht nicht das Individuum, die Computerspiele und Filme und auch nicht ein geistiger Mangel an Katastrophen schuld sein muss.

Vielleicht überfordert unsere Welt die Menschen nur, und manche können nicht damit umgehen. Bitte nehmt das Gedicht nicht falsch an.

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